Robert-Schuman-Medaille für Reiner Kunze

Anlässlich des 20. Jahrestags der Deutschen Einheit wird am 3. Oktober 2010 auf Vorschlag des Berliner Europaabgeordneten Joachim Zeller der Schriftsteller und Lyriker Dr. Reiner Kunze mit der Robert-Schuman-Medaille der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament geehrt.

Die Robert-Schuman-Medaille wurde 1986 von der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament ins Leben gerufen, um Persönlichkeiten zu ehren, die durch ihr öffentliches Handeln und ihr persönliches Engagement den Frieden, das europäische Aufbauwerk und die Werte im Dienste des Menschen gefördert oder sich aufgrund ihres besonderen Einsatz für die Menschenrechte ausgezeichnet haben.

Anlässlich des 20. Jahrestages der Deutschen Einheit zeichnet die EVP-Fraktion mit Dr. Reiner Kunze eine Persönlichkeit aus, die in sich die Brüche unserer deutschen Geschichte verkörpert und gleichzeitig dem europäischen Gedanken verpflichtet ist. Dr. Reiner Kunze gab und gibt durch sein Wirken sowohl dem Freiheitsstreben der Menschen im ehemaligen „Ostblock“, als auch dem Bemühen um europäischen Verständigung außerhalb der verordneten „Freundschaft“ im ehemaligen sozialistischen Staatenbund Gestalt und Ausdruck.


Zu Reiner Kunze:
Der am 16. August 1933 in Oelsnitz/Erzgebirge geborene Sohn eines Bergarbeiters studierte von 1951 bis 1955 Philosophie und Journalistik an der Universität Leipzig, an der er auch von 1955 bis 1959 als wissenschaftlicher Mitarbeiter mit Lehrauftrag tätig war. Als Kunze 1959 aus politischen Gründen seine Universitätslaufbahn abbrechen musste, arbeitete er zunächst als Hilfsschlosser, um dann 1962 als freiberuflicher Schriftsteller tätig zu werden.

1968 trat Kunze aus Protest gegen die Invasion der Staaten des Warschauer Paktes in der Tschechoslowakei aus der SED aus. Als Folge davon legt das Ministerium für Staatssicher­heit der DDR eine Akte unter dem Decknamen „Lyrik“ über Kunze an, die bis zum Ende der DDR auf viele tausend Seiten anwachsen wird.

1976 erfolgt auf politischen Druck sein Ausschluss aus dem Schriftstellerverband der DDR, was faktisch einem Berufsverbot gleichkam. Zeitnah wird Kunzes Prosaband „Die wunderbaren Jahre“, eine scharfe Kritik des DDR-Systems, in der Bundesrepublik veröffentlicht, in die er 1977 angesichts einer drohenden mehrjährigen Haftstrafe für sich und seine Frau übersiedelt.

1990 erhält Kunze Einblick in seine Stasi-Akte und veröffentlicht Auszüge daraus in der Dokumentation „Deckname Lyrik“. Die Dokumentation befeuert die Diskussion über die Frage, ob die Unterlagen der DDR-Staatssicherheit öffentlich einsehbar sein sollten.

2006 wird die Reiner und Elisabeth Kunze-Stiftung gegründet. Reiner Kunze ist u.a. Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Freien Akademie der Künste Rhein-Neckar und des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland. Er ist Gründungs­mitglied der Sächsischen Akademie der Künste, Ehrenmitglied des Collegium europaeum Jenense der Friedrich-Schiller-Universität Jena und war langjähriges Mitglied der Akademie der Künste Berlin. Kunze ist seit 1993 Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes.


Die Robert-Schuman-Medaille trägt den Namen des französischen Staatsmannes, der 1950 Deutschland und anderen von Konflikten heimgesuchten Staaten vorschlug, auf Grundlage einer neuen Europäischen Gemeinschaft, die über starke und demokratische Institutionen verfügt, Frieden zwischen den Völkern Europas zu schaffen.

Die Medaille ehrt somit Frauen und Männer, deren Mut und Weitsichtigkeit die Wiedervereinigung des europäischen Kontinents begünstigt und dazu beigetragen haben, in der ganzen Welt die Werte der Freiheit und der Demokratie zu verankern. Die Auszeichnung haben bislang mehr als hundert Persönlichkeiten erhalten, so Dr. Helmut Kohl (1986), Elena Bonner-Sacharow (2001) und Papst Johannes Paul II. (2004).



Weitere Informationen zu Reiner Kunze finden Sie auf seiner deutschsprachigen Internetseite.

Inhaltsverzeichnis
Nach oben