Besuch der Neuen Synagoge

Gemeinsame Veranstaltung der OVs Bernauer Straße und Dorotheenstadt


Im September besuchten die Ortsverbände Bernauer Straße und Dorotheenstadt die Neue Synagoge in der Oranienburger Straße. Die knapp 30 Teilnehmer waren beeindruckt von der Führung durch die Räumlichkeiten, die den Krieg und den Sozialismus überlebt haben und die Leere, die das im Krieg ausgebrannte und 1958 abgebrochene Hauptgebäude im hinteren Grundstücksteil hinterlassen hat.
Die Synagoge, 1866 von Eduard Knoblauch und Friedrich August Stüler im maurischen Stil und inspiriert durch die Alhambra in Granada errichtet, ist, wie ganz anders das ebenfalls von uns im September besuchte Finanzministerium, ein beredter und teilweise beklemmender Zeuge der verschiedenen Strömungen und Epochen der deutschen Geschichte. Zunächst Ausdruck der sprichwörtlichen preussischen religiösen Toleranz - Reichskanzler Bismarck war z.B. bei der Eröffnung anwesend - war das Gebäude die damals größte und prächtigste Synagoge in Deutschland. Bei den Pogromen 9./10.11.1938 begannen zunächst Angehörige der SA, Feuer zu legen. Der Reviervorsteher des nahe gelegenen Polizeireviers am Hackeschen Markt, Wilhelm Krützfeld, trat jedoch den Brandstiftern mit Waffengewalt entgegen, alarmierte unter Hinweis auf den Denkmalschutz des Gebäudes die Feuerwehr, die, im Gegensatz zu anderswo, auch einschritt und den im Gebäudeinneren entstandenen Brand löschte, und bewahrte so die Synagoge vor der Zerstörung.
Nachdem die Folgen des Brandes beseitigt waren, wurde die Neue Synagoge seit April 1939 wieder für Gottesdienste genutzt. Nach einem letzten Gottesdienst im kleinen Gebetsraum, im Januar 1943, übernahm die Wehrmacht das Gebäude und richtete hier ein Uniformlager ein. Bei Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg erlitt die Synagoge im November 1943 schwere Schäden. Weitere Beschädigungen erfolgten, als nach dem Krieg die Ruine als Lieferant für Baumaterial genutzt wurde. Im Sommer 1958 wurden die verbliebenen hinteren Gebäudeteile und die Kuppel wegen Einsturzgefahr und mit der Begründung ein Wiederaufbau sei nicht möglich beseitigt. Nur die an der Straße gelegene Bausubstanz blieb, als Mahnmal gegen Krieg und Nationalsozialismus, erhalten.
Ab 1988 wurde der straßenseitige Baukörper teilweise restauriert und nach der Wende auch die Kuppel wieder hergestellt. Im hinteren Bereich, wo der eigentliche Gottesdiensthauptraum gestanden hatte, mahnt eine große Leerfläche die Lebenden, nie wieder zu dulden, dass die deutsche und jüdische Kultur von Barbaren geschändet wird.

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