Die deutsche Beteiligung bei der Rettung des Euros
Trotz des Schneetreibens traf sich ein engagierter Kreis, um unter Leitung von Ulrich Kremer die deutsche Europapolitik des vergangenen Jahres zu evaluieren. Im Mittelpunkt stand dabei die überaus gute konjunkturelle Situation der Bundesrepublik im Verhältnis zu den anderen Mitgliedsländern aber auch im Vergleich mit den USA, die sich aus dem Tal der selbstverschuldeten Finanz- und Immobilienkrise noch nicht wieder herausgearbeitet haben. Trotz massiver Maßnahmen seitens der Fed, die mit der Herausgabe von 600 Mrd $ eine Geldschwemme mit Niedrigzinsen produziert hat, ist es nicht gelungen, die Arbeitslosigkeit von der für amerikanische Verhältnisse hohen 9 %-Marke fühlbar abzubauen. Demgegenüber ist die Situation in Deutschland mit 7,9% Arbeitslosigkeit, mit einem Wirtschaftswachstum von über 3% glänzend. Gegenüber seinen europäischen Partnern gelang es der Bundesregierung ausgehend von der Agenda 2010 die Lohnstückkosten deutlich zu drücken und dadurch die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu steigern. Die Überwindung der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise gelang weitgehend mithilfe des Instruments der Kurzarbeit und der Lohnzurückhaltung der Gewerkschaften.
Den jüngsten Steuermehreinnahmen in Höhe von 60 Mrd€ in Deutschland stehen Mindereinnahmen bei den südeuropäischen Partnern gegenüber, welche die unmittelbare Folge aufgeblähter Sozialausgaben, mangelnder Konkurrenzfähigkeit und schrumpfender Einnahmen aus dem Tourismus sowie einer ineffizienter Steuerverwaltung sind.
Bei den sogenannten PIGS-Ländern (Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien) liegt zwar die finanzielle Problematik in jedem Fall anders, aber gemeinsam ist ihnen, dass sie infolge ihrer schlechten Wirtschafts- und Finanzdaten Staatsanleihen nur mit einem ständig wachsenden Risikozinsaufschlag am Kapitalmarkt absetzen können. Die anfängliche deutsche Zurückhaltung beim Außerkraftsetzen der „no bailout“ –Klausel des Maastrichtvertrages durch das €-Rettungspaket für Griechenland, bei dem der deutsche Anteil immerhin 33Mrd. € beträgt, hat zur Kritik der Partner und besonders der Presse der Partnerländer an Deutschland geführt. Dabei half die anfängliche deutsche Zurückhaltung dem griechischen Ministerpräsidenten die scharfen Einschnitte seines Sparpaketes der Bevölkerung als notwendig zu vermitteln. Als es um die generelle Verteidigung des Euros ging, war Deutschland sofort mit einer 27%igen Bürgschaft in Höhe von 119Mrd € im Rahmen des 750Mrd € umfassenden €-Rettungskorbes zur Stelle, so dass der Vorwurf, unser Land engagiere sich nicht mehr für Europa, falsch ist.
Schließlich kam es im Zusammenhang mit der 85 Mrd € Finanzhilfe für Irland aus dem Euro-Rettungsfond zu Vorwürfen gegenüber Finanzminister Schäuble. Dieser hatte der Rückendeckung der Bundeskanzlerin festgestellt, dass die privaten Käufer von Staatsanleihen, die an den Risikozinsaufschlägen gut verdienten, an den Kosten der Rettungsmaßnahme beteiligt werden müßten. Deutschland wurde daraufhin der Renationalisierung seiner Politik bezichtigt. Auch die Ablehnung der Aufstockung des Rettungsschirmes seitens der Bundeskanzlerin sowie ihr Nein zu den von Italien und Luxemburg vorgeschlagenen Euro-Bonds, die einen Zinsquerschnitt aller EU-Länder haben würden und es den verschuldeten Ländern ermöglichen würde, niedriger verzinste Anleihen herauszugeben, als sie es mit ihren Staatsanleihen tun könnten,verfestigte diesen Vorwurf. Nach eingehender Besprechung dieser Kritik an der deutschen Politik war sich der Stammtisch in seiner Beurteilung einig, dass es sich bei diesem Vorwurf um ein Missverständnis handele. Kremer fasste schließlich als Ergebnis der Evaluierung der deutschen Europapolitik als Ergebnis zusammen, dass sich die deutsche Europapolitik in Wirklichkeit nicht renationalisiert hat, sondern den bislang erfolgreichen Balanceakt zwischen Vertragstreue, europäischer Solidarität und der notwendigen Akzeptanz seiner auf finanzielle Solidität ausgerichteten Politik auch im ablaufenden Jahr hinbekommen habe. Mit diesen keineswegs schlechten Voraussetzungen für das Neue Jahr 2011 verabschiedete sich der Arbeitskreis Europa mit besten Wünschen zu Weihnachten vom ablaufenden Jahr 2010.