"Der Landes- und Fraktionsvorsitzende der CDU, Frank HENKEL, und der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Sascha STEUER, erklären:
"Auch wenn Konsens über die Notwendigkeit einer Schulstrukturreform besteht, krankt das Zöllner-Papier - bei einzelnen diskutablen Vorschlägen - vor allem daran, dass maßgebliche Defizite im Bildungsbereich nicht oder nur unzureichend berücksichtigt werden. Damit verfestigt sich die Bildungsmisere in der Hauptstadt!
Frank HenkelZöllner entspricht in seinem Reformvorschlag unseren parlamentarischen Initiativen der vergangenen Jahre, Bildung frühestmöglich zu beginnen, indem er Kitas und Grundschulen besser vernetzen will. Dies entspricht exakt der Maxime unseres vor vier Wochen präsentierten Masterplans Bildung. Richtig ist auch, dass Zöllner sich für den Erhalt der Gymnasien ausspricht. Hier herrscht allerdings kein Koalitionsfrieden, denn nach der Aussage der Linken-Fraktionsvorsitzenden Bluhm müsse das gegliederte Schulsystem "eingedampft" werden und die Gemeinschaftsschule sei das bessere Modell. Hier steht der von Wowereit vollmundig ausgeschlossene Kulturkampf gegen die Gymnasien wohl doch noch bevor.
Der Reformvorschlag Zöllners krankt an den wesentlichen Voraussetzungen für gute Bildungspolitik: Der erhebliche Unterrichtsausfall in Berlin kann mit diesen Ansätzen nicht gestoppt werden. Auch fehlen nach heute veröffentlichten Zahlen trotz jahrelanger Warnungen massenweise Lehrer, vor allem junge Pädagogen verlassen demotiviert und ohne Verdienstanreize unsere Stadt, um gut ausgebildet und für entsprechende Bezahlung in anderen Bundesländern zu unterrichten. Ohne eine Änderung dieser Rahmenbedingungen kann eine Schulstrukturreform nicht gelingen.
Wir kritisieren, dass durch das ideenlose Nebeneinandersetzen von Kindern in einer integrativen Sekundarschule keine Chancen- und Leistungsgerechtigkeit Platz finden. Unterschiedliche Talente und Befähigungen müssen auch unterschiedlich gefördert werden können. Unser Konzept kooperierender Bildungsgänge berücksichtigt genau diese unterschiedlichen Voraussetzungen. Wir setzen bewusst auf Durchlässigkeit zu jeder Zeit, engagiertes Fördern in den unterschiedlichen Bildungsgängen, aber eben keine ideologische Gleichmacherei.
Falsch wäre es deshalb, wenn die von Rot-Rot proklamierten Sekundarschulen weitgehend auf Leistungsdifferenzierung verzichten würden. Dass es für die bisherigen Hauptschüler ein Praxisangebot erst mit der 9. Klasse geben soll, wird den Schülern nicht gerecht. Auch eine Verpflichtung kann es nicht geben, das produktive Lernen ist ohne Freiwilligkeit nicht denkbar.
Zudem ist völlig unverständlich, dass die Gemeinschaftsschulen erhalten bleiben sollen. Tatsache ist doch, dass weder das begonnene Experiment der Gemeinschaftsschule noch die Ergebnisse der bisherigen Gesamtschule bei PISA überzeugen konnten. Was haben drei Schulformen mit Zweigliedrigkeit zu tun? Bei dieser Schulstrukturreform bleiben am Ende mehr Fragen als Antworten."
Frank Henkel