Jour Fix: "Die arabische Welt im Umbruch: Ursachen und Auswirkungen"

Am 26. April war es wieder soweit. Bereits zum dritten Mal lud die JU-Mitte zu ihrem „Jour Fix“, um diesmal über das aktuelle Thema „Die arabische Welt im Umbruch: Ursachen und Auswirkungen“ zu diskutieren.

Zunächst wurden die wichtigsten Ereignisse, die zum sogenannten „arabischen Frühling“ führten von unserem Mitglied und Nahostexperten Thomas Volk rekapituliert.  Die Ereignisse hatten dabei ihren Ausgang in der Selbstverbrennung des tunesischen Gemüsehändlers Mohamed Bouazizi am 17. Dezember 2010. Einige Zeit später sprang der Funke auch auf andere Länder in der Region über, was zunächst vor allem in Ägypten zu bisher nie dagewesenen Massendemonstrationen führte, allen voran auf dem nun legendären Tahir-Platz in Kairo. Während die Proteste in diesen beiden Staaten Erfolg hatten und zum Rücktritt der Diktatoren Ben Ali und Mubarak führten, ist die Lage anderswo sehr differenziert. So wurden in Ländern wie Saudi-Arabien, Kuweit oder Oman die Demonstranten mit Geldzahlungen besänftigt, während zum Beispiel die Führung in Katar oder Jordanien politische Reformen versprach.

Spätestens am 15. Februar war die „romantische Phase“ der arabischen Revolutionen jedoch vorbei, als bei Protesten gegen den lybischen Machthaber al-Gaddafi Einheiten der libyschen Polizei, der Sicherheits- und Streitkräfte innerhalb weniger Tage Hunderte von Demonstranten erschossen und damit ein Bürgerkrieg begann, welcher zur Intervention zahlreicher Nato-Staaten führte. Eine ähnliche Entwicklung gibt es auch in Syrien.

Nach dem spannenden Überblick der Ereignisse, kam es unter den zahlreichen Anwesenden zu einer kontroversen Diskussion, in deren Verlauf überlegt wurde, ob es gute und für den Westen nützliche Diktatoren, wie Mubarak, und schlechte Diktatoren, wie Gaddafi, gibt und ob man in diesem Konflikt auch auf seine eigenen Interessen bedacht sein darf. Es wurde über die tiefsitzenden Ursachen dieser Proteste geredet, die sich beinahe unvorhersehbar und wie ein Lauffeuer  in der Region verbreiteten und über die möglichen Folgen. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, ob diese islamisch geprägten Staaten überhaupt demokratiefähig sind oder ob der Ruf nach Freiheit nicht vielmehr eine Mischung aus sozialen Forderungen und den Wunsch nach einer anderen Politik, welche nicht in unseres Verständnis nach demokratisch sein muss, ist.

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